Samstag, 30. November 2013

Ich, Spock

Hallo meine Lieben,

mein Name ist - soweit ich das bis hier bestätigen kann - offenbar inzwischen Spock. Meine Zweibeiner finden das wohl originell und ich lasse sie in dem Glauben, mir kann es ja egal sein... meinen katzischen Namen könnten sie sowieso nicht aussprechen.
Ich bin ein 4 Monate alter getigerter Kater und ich dachte, es könnte euch interessieren, wie es mir in meinem neuen Zuhause bisher ergangen ist.
Zunächst einmal möchte ich kurz berichten, wie ich meine neuen Gastgeber entdeckt habe. Meine Mama und meine zwei Geschwister hatten es ja ganz gut bei unseren Zweibeinern. Aber mal ganz ehrlich - zusammen mit vier anderen Artgenossen - ICH - der angehende Platzhirsch? Never! Dieser Zustand musste geändert werden, soviel stand fest. Allerdings waren meine Möglichkeiten eingeschränkt. Raus durfte ich nicht, also musste ich mir die Gäste der Familie ganz genau anschauen und mich auf kluges Taktieren verlegen.
Vor ein paar Wochen war es dann soweit. Familienbrunch war angesagt, das Haus voller Zweibeiner, ich sah meine Chance gekommen.
Ich hab mir genau angeschaut, was da zur Türe hereinkam. Die eine nuckelte an einem Inhalator - Katzenallergie! Schade dachte ich, die hätte mir gefallen können. Die anderen beiden mit dem kleinen Kind rochen derart nach Artgenossen-Rivalen, nein Danke, da hätte ich auch gleich bleiben können. Dann kam diese nette junge Frau, aber die hat mir mein Bruder Pixel vor der Nase weggeschnappt. Es war zum Mäuse melken, kann ich euch sagen!
Schließlich kamen nur noch zwei. Bei der Frau hab ich gleich gemerkt, DIE könnte weich werden. Ich hab mein Charming-Boy-Gehabe eingesetzt und mich ihr im wahrsten Sinne des Wortes an den Hals geworfen. Ja BITTE! Jetzt macht mir keine Vorwürfe deswegen! Von NIX kommt nix! Sie war offenbar recht angetan von mir, aber irgendwie spürte ich doch gewisse Vorbehalte. Ich hab´s mir gleich gedacht - das Problem war der große Kerl, den sie mitgebracht hat. Der roch förmlich nach "Bedenken". Ich hab ihn vorsichtshalber mal ignoriert. Soviel Stolz muss sein. Entweder die Zweibeiner WOLLEN mich ganz und gar - oder lieber garnicht.
Der Brunch war vorbei und was soll ich euch sagen? Ich hockte immer noch, wo ich war. Zusammen mit meiner kleinen Schwester, der Mama und dem dicken Kater, der immer so auf Chef macht. Was sollte ich jetzt davon halten? Mir sagt ja nie einer was.
Aber letzte Woche kam dann plötzlich Bewegung in die Angelegenheit. Frauchen kam mit einer Kiste daher, packte mich rein und schwupps, saß ich in diesem riesen Blechkasten und wurde durchgeschüttelt. Ich hab erst mal nach Kräften geplärrt, aber denkst du, die hätte mich wieder rausgelassen? Also hab ich geschlafen. Was blieb mir anderes übrig?
Schließlich hörte der Blechkasten auf zu rattern, meine Kiste wurde in ein Haus getragen und ab hier wurde es RICHTIG spannend.
Das Türchen wurde geöffnet und siehe da! Die beiden Zweibeiner vom Brunch, die mir so gut gefallen haben standen um die Kiste rum. Jetzt kam genau das, was man mir schon beschrieben hatte, was ich mir aber nie hatte vorstellen können. Ihr glaubt ja nicht, wie albern und rührend Zweibeiner sein können, wenn sie unsereiner sehen!!! Und ich sag euch eins, wenn ihr es richtig anstellt, wickelt ihr sie um die Pfote!
Während die Menschen sich offenbar vor Begeisterung kaum einkriegen konnten, nahm ich schon mal die neue Umgebung in Augenschein. Ohlala! Eine Riesenbude, sag ich euch. Ich war natürlich erst mal vorsichtig. Es roch zwar nicht nach Rivale, aber ich bin ja Profi. Vorsichtig inspizierte ich Raum für Raum. Futter, Katzenklo, alles vom Feinsten. Der Kratzbaum war ein bisschen klein, da werden sie noch aufstocken müssen. Das kriegen wir aber hin, sobald ich ihnen verständlich machen kann, was ich von ihnen erwarte. Aber sie haben sich sichtlich Mühe gegeben. Spielzeug und Kuscheldeckchen, Streicheleinheiten und Leckerli - ich war zufrieden. Um gleich mal ein gutes Verhältnis mit meinen neuen Mitbewohnern aufzubauen zeigte ich mich von meiner besten Seite: schnurren, Köpfchen geben, um die Beine streichen, es funktioniert IMMER!
Im Laufe des Nachmittags wurde es dann ein bisschen turbulent. Offenbar haben meine Zweibeiner Besuch bekommen, aber auch die waren alle lieb zu mir und ich muss sagen - hier gefiel es mir ausnehmend gut.

Inzwischen kann ich mit einem ersten Fazit aufwarten:
FASZINIEREND!!!!
Meine Zweibeiner habe ich mir gut ausgesucht. Nicht nur, dass sie mich offenbar sehr lieb haben. Sie sind - und das ist wirklich Katzengold wert!!! LERNFÄHIG! Es gibt nichts schlimmeres für einen kleinen aufstrebenden Kater als sture, dumme Zweibeiner. Nein, meine sind da wirklich brauchbar. Zuerst einmal habe ich ihnen klargemacht, wo ich überall zu liegen gedenke. Sofa, Esszimmerstühle, im Bett, auf dem kuscheligen Sessel. Alles meins. Das haben sie schnell begriffen. Ich weiß, das mit dem Bett ist immer die Knacknuss. Aber ich habe es clever angestellt: ich mach mich ganz klein, schnurre ein bisschen (das finden sie aus Gründen, die sich mir nicht wirklich erschließen, immer ganz besonders nett), bleibe dann aber dezent am Fußende liegen. Nichts ist kontraproduktiver als Aufdringlichkeit! Dann fliegt man schneller wieder raus als man Katzenstreu sagen kann. Das hat auf jeden Fall gut geklappt. Mit dem Futter bin ich sehr zufrieden, da musste ich bisher noch nicht intervenieren. Der Tisch ist noch ein bisschen problematisch. Oft sind sie nicht daheim, dann gehört mir natürlich jeder Quadratzentimeter. Aber wehe da stehen Teller drauf. Es ist aber auch zu ärgerlich! Gerade wenn es ganz verlockend riecht, soll ich unten bleiben! Also sowas! Oder wenn Frauchen auf dem Tisch mit Stoff herumfuchtelt oder mit dünnem Papier raschelt - ich will ja nur helfen. Aber sie scheucht mich weg und ich darf nicht. Irgendwas muss ich mir da noch einfallen lassen.
Wir haben auch die Wohnung ein bisschen umdekoriert. Ein paar kleine Sachen wurden auf dem Fensterbrett nach hinten geschoben, andere sind irgendwie verschwunden. Ich glaube, sie haben sie weggeworfen oder verschenkt... Warum sie aber die dünnen Vorhänge hochgebunden haben, gerade so weit, dass ich nicht mehr drankomme, also DAS leuchtet mir jetzt so garnicht ein. Verdirbt einem ja den ganzen Spaß!
Wir müssen auch noch an unserer Kommunikation arbeiten. Das kann doch nicht so schwer sein "Miiii" (was ganz klar "Nassfutter bitte" heißt) von "Miiiiiiii" zu unterscheiden (das Katzenklo ist mir zu voll, ich hätte gerne ein sauberes - ja, lacht nicht, ich bin da ein bisschen pingelig und man kann als Katze, die etwas auf sich hält, nicht früh genug damit anfangen, klare Verhältnisse zu schaffen). Offenbar ist das für meine Menschen alles nicht so leicht zu verstehen, aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Ich will sie nicht überfordern. Wir dürfen nicht vergessen: es sind ja NUR Menschen!
Ansonsten geht es mir wirlich gut. Niedlich sind auch die Spielsachen, die sie mir besorgt haben. Ganz entzückend fand ich ja die Federchen, die sie an einer Schnur festgebunden haben. Ich habe allerdings nicht sehr lange gebraucht um sie abzumontieren und nachdem ich sie ein paar Tage durch das Zimmer gejagt habe, sind sie jetzt ein bisschen angelutscht und nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Ich hoffe doch, meine Menschen ersetzen sie bald, das war einfach zu schön, wenn sie so hin und her gefedert sind. Vor allem aber habe ich festgestellt, dass ich hier zwei Mäuse mit einer Falle fangen kann: einmal macht es einfach Spaß... vor allem aber gefällt es meinen Menschen, mich beim Spielen mit ihrem selbst gebastelten Zeug zu beobachten. Ihr glaubt nicht, wie positiv sich die richtige Motivation auf das Zweibeiner-Katze-Verhältnis auswirkt. Motiviere deinen Menschen und du hast gewonnen, glaub mir! Zuckerbrot und Peitsche... klappt wunderbar.
So, meine Lieben...
ich halte euch auf dem laufenden wie es mir weiter ergeht und verbleibe mit freundlichem Schnurren völlig entspannt
Euer Spock

P.S. Meine kleine Schwester ist immer noch "zu haben". Sie ist mindestens so hinreißend wie ich und ich wünsche mir für sie auch so ein nettes neues Zuhause, wie ich es gefunden habe.

Kommentare:

  1. *hach*
    Spock, du bist aber auch ein Schnuckel!
    Einen schönen Sonntag mit deinen Zweibeinern wünsch ich dir!
    LG, Christiane

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  2. *quiek*
    Gott, wie süß... und schön, dass euch der Kleine schon so gut im Griff hat. :D

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  3. <3

    Wäre unsere Wohnung nicht bereits von genügen Pfoten bevölkert...

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