Dienstag, 26. Februar 2013

noch mehr Steampunk-Outfit-Kram



Eines sage ich Euch: Steampunk macht süchtig! In jeder Hinsicht.
Kaum hat frau das eine Outfit fertig gestellt, da lächeln die Stoffe im Regal, da stößt sie beim Stöbern im Aethernetz auf wundervolle Schnitte, findet in einschlägiger Literatur eine neue Idee für ihr Expeditions-Equipment, wird durch anstehende Ereignisse beflügelt…. Das ist Fluch und Segen zugleich!!!
Inspiriert durch unser Kreativwochenende, motiviert durch den Steampunk Stammtisch am 17.Februar und begünstigt durch einen schönen Fundus an Stoffen und die neue Nähmaschine, die ich mir endlich geleistet habe (und deren Finessen ich langsam durchschaue)...
habe ich mich also endlich mal wieder drangesetzt und geschneidert.
Die Ideen zunächst:
die Tournüre ist ja braun, das Band spitzte vorne aber oft unter dem Rockbund hervor, also habe ich ihr einen schwarzen Bändel verpasst. Zugegeben, nicht sehr spektakulär, aber effektiv. Foto überflüssig würde ich meinen.
Meinen schwarzen "Zwischendrin-Rock" wollte ich a) hinten verlängern, b) auch als braunen Rock tragen können. Also dachte ich mir: warum einen neuen Rock nähen und schon wieder 4 oder 5 Meter Stoff raushauen, warum nicht einen braunen, abnehmbaren Volant basteln?
Et voilá! So sollte es werden.

In Ermangelung von genügend Knöpfen habe ich folgendes erdacht: alle 8 Zentimeter kommen selber gebogene Stege aus kupferfarbenem Schweißdraht auf den Rock (30 Stege, 60 mal Ösen annähen - oh, bin ich stolz auf mich, normalerweise hab ich bei Nr. 55 keine Lust mehr....).

 Der Volant hat Knopflöcher (ebenfalls 30! Es lebe die neue Nähmaschine!!!! Hipphipp Hurra!), durch diese und durch die Stege wird ein Band gezogen. Klingt komisch, ist aber so. Und funktioniert.

Wohlgemerkt in der Theorie und an der Käthe, also im statischen Zustand. Ob es auch den Praxistest besteht, wird sich zeigen. (Nachtrag: klappt blendend)

Hätte ich aber nur Knöpfe gemacht, hätte ich die Weite gleich raffen und anpassen müssen, um unschöne Beulen zu vermeiden. Die anfängliche Befürchtung, der Volant sei hinten zu lang, hat sich nicht bestätigt. Ich sollte endlich Junos Tipp beherzigen und einen Abstandhalter zwischen Schneiderpuppe und Tournüre einbauen, damit sie an der Käthe nicht einknickt. Auch vorne passt die Länge perfekt.

Wird der Volant abgenommen (Rock wieder schwarz), werde ich ein braunes Band durch die Stege ziehen. Aber vermutlich wird die Konstruktion weitgehend vom Overskirt verdeckt.
Außerdem habe ich an dem ollen Burda-Rock endlich den Untertritt am seitlichen Schlitz genäht. Beult ein bisschen, aber da ist ja der Overskirt drüber.

Von Truly Victorian lag hier immer noch der Summer Overskirt Schnitt (TV 363), aber der Wash Overskirt gefiel mir bis dato so gut, dass ich dachte, wozu einen anderen nähen? (Einzig lästig fand ich das Bändel-Gewurschtel am Bürzel) Trotzdem hab ich mich dran gewagt. Sehr zufrieden bin ich mit dem Stoff. Der fällt schön und schillert wunderbar. Beim Nähen trieb er mich allerdings fast in den Wahnsinn, weil er ständig vom Tisch flutschte.


Da ich ganz genau weiß, dass ich Rundungen niemalsnicht schön gesäumt bekomme, habe ich für den Overskirt einen Besatz vorne drauf geplant. In Ermangelung von Zeit ist die vordere Kante im Moment ganz profan mit der Overlock abgezackelt. Nicht meine erste Wahl, aber optisch durchaus akzeptabel. Kommt Zeit, kommt Rüsche. Oder Spitze oder was mir sonst noch einfällt. Ich bin eigentlich nicht so der Freund von zuviel Tütü. Das erschwert nur die Büglerei
Aber noch einen Tipp könnte ich brauchen: die Rundungen klappen leider nach außen. Hat jemand eine Idee, wie man das vermeiden kann? Oder weiß jemand, ob das mit einer Rüsche schöner fällt?
Wie man auf dem Foto sehen kann, ist der Rock hinten mit Bändern hochgerafft. Ich habe die Raffung allerdings nach innen gelegt, die Bänder wären also eigentlich überflüssig. Ich habe sie trotzdem genäht und festgebunden, aber dann stellte sich heraus, dass sie genau auf der Hüfte sitzen und mich von vonre noch dicker machen. Als wir sie abgenommen haben, kam der Bürzel weiter nach hinten.
Insgesamt bin ich wirklich zufrieden. Was mir jetzt noch fehlt, ist ein passendes Oberteil. Da könnte ich mal eure Hilfe brauchen. Da ich ja obenrum eher nicht elfenhaft gebaut bin, scheue ich mich bis dato noch vor engen Taillen oder Polonaisen. Aber ich werde wohl nicht drumrum kommen. Mein Cape ist schön und gut, aber doch auch sehr rot. Und schwer und warm und schon gar nicht für drinnen geeignet. Gleichzeitig will ich aber auch nicht NUR vornehm und damenhaft und ein bisschen steif daherkommen. Es dürfte schon auch wieder mal ein bisschen verwegen sein.
Ich habe nämlich gemerkt, dass ich im Augenblick ein bisschen viel die viktorianisierende Schiene fahre. Alles ein wenig Roben-lastig.
Dabei genieße ich es durchaus, wenn ich Hosen und Stiefel trage, mich ungezwungen bewegen und die beherzte Frau Professor auf Sprach-Safari mit der Gedankenpistole im Anschlag geben kann

Kommentare:

  1. Ja, die Knopflochautomatik ist schon was Feines!

    Zu dem Problem mit den Überrock-Bögen: Wenn die mit einer genügend schweren Rüsche oder dergleichen beschwert sind, biegen sie sich nicht mehr nach oben. Das viele Bügeln könntest du umgehen, wenn du zB den Stoff in kurze Falten legst und die oben fixierst... also so kompakte Falten, dass du sie automatisch glattbügelst, wenn du "mit dem Strich" drüberbügelst. Das macht natürlich eselig viel Arbeit, sieht aber hübsch aus.

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  2. woahhhhhhhhhhhh ist das schöööööööööööööön !!! hammergeil, ich binseit der Polonaise ( die noch immer nicht fotografiert ist ) ganz süchtig nach truly victorianschnitten und will jetzt ganz viel so sachen nähen gaaaaaaanz viel ;))))

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    1. Dank dir für das überschwengliche Lob. Wenn du Schnitte brauchst, ich hab hier ein paar, Liste kann ich dir zukommen lassen... dann bringst du Kopierpapier mit et voilá! :-)

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  3. Bin gerade über ein Bild deines Steampunk-Kleid gestolpert. Sieht sehr gut aus! Ich werde als nächstes Projekt auch eines nähen.
    Was Schnittmuster betrifft kann ich nur die Bücher von Frances Grimble empfehlen. Da hat man Unmenge an Schnitten auf einmal. Man muss halt die Schnitte noch vergrößern und an die eigenen Maße anpassen. Letzteres trifft aber ja auch auf jeden anderen Schnitt auch zu ;)
    Und ja, das mit der Sucht könnte wahr sein, geht mir auch so!

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